AKTIVITÄTEN & AKTUELLES


2019

Mittwoch, 13. November:

Vortrag von Dr. Christian Bollacher und Dr. Barbara Hausmair (Landesamt für Denkmalpflege)

 

Vernichtungslandschaft „Wüste“ – Eine archäologische Perspektive auf die Konzentrationslager und Industrieanlagen des NS-Schieferölprojekts im Zollernalbkreis

 

Balingen, Zehntscheuer, Neue Straße 59, 

20.00 Uhr, Eintritt frei

 

In der Spätphase des Zweiten Weltkriegs startete das Nationalsozialistische Regime entlang des Albtraufs  das „Unternehmen Wüste“, ein Industrieprojekt mit dem Ziel, Öl aus dem schwäbischen Posidonienschiefer zu gewinnen. Sieben Außenlager des KZ Natzweiler wurden für das Projekt eingerichtet, und tausende KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in die Region verschleppt und für das Ölschieferprojekt ausgebeutet. Viele von ihnen starben.

Seit 2018 untersucht die Landesarchäologie die materiellen Hinterlassenschaften der Konzentrationslager und Schieferölwerke. Durch die Auswertung von historischen Luftbildern und mithilfe moderner digitaler Geländemodelle können die landschaftsprägenden Eingriffe der Ölindustrie archäologisch untersucht werden und so die großräumigen Dimensionen der ausbeuterischen NS-Industrie weiter erforscht werden.

Erste Ausgrabungen in Standorten ehemaliger Konzentrationslager geben wertvolle Einblicke über die Versorgungsnetzwerke des KZ-Systems und die Entwicklung der Lager des „Unternehmens-Wüste“.

 

Veranstaltung in Kooperation mit der Heimatkundlichen Vereinigung Zollernalb e.V.

Bisingen: Ausgrabung von Relikten des Unternehmens Wüste (Quelle: Hausmair/LAD)
Bisingen: Ausgrabung von Relikten des Unternehmens Wüste (Quelle: Hausmair/LAD)


2020

4. April bis 17. Mai

 

Ausgrenzung, Raub, Vernichtung. NS-Akteure und 'Volksgemeinschaft' gegen die Juden in Württemberg und Hohenzollern

 

Ausstellung

Balingen, Zehntscheuer, Neue Straße 59,

dienstags bis sonntags, 14 bis 17 Uhr,

Eintritt frei

 

Vernissage: 3. April, 19 Uhr

 

 

Die Ausgrenzung der Juden, ihre Ausraubung und schließlich die Vernichtung und Ermordung standen im Zentrum der Politik des Nationalsozialismus. Die Ausstellung beleuchtet, wie sich dieser Prozess in Württemberg und Hohenzollern von 1933 bis 1945 entwickelte und welche Täter, Profiteure und Institutionen dabei eine besondere Rolle spielten. Die NS-Netzwerke bei der Ausplünderung, die besondere Funktion der Finanzbehörden und die Mitwirkung der Bevölkerung werden in der Ausstellung mit Fotos, Grafiken und Dokumenten präsentiert. Außerdem wird die Ausgrenzung der Juden in den verschiedenen Berufen gezeigt. Flucht oder Deportation standen am Ende des Ausplünderungsprozesses.

Die mechanische Leinenweberei in Laichingen. Die lukrative Textilfabrik auf der Schwäbischen Alb mussten die Fabrikanten Kahn 1938 an einen hochrangigen NSDAP-Funktionär aus Stuttgart verkaufen. Bildnachweis: Henry Kandler.
Die mechanische Leinenweberei in Laichingen. Die lukrative Textilfabrik auf der Schwäbischen Alb mussten die Fabrikanten Kahn 1938 an einen hochrangigen NSDAP-Funktionär aus Stuttgart verkaufen. Bildnachweis: Henry Kandler.


Neueste Veröffentlichungen

Volker Mall: Athen - Hailfingen - Stetten bei Haigerloch - Balingen. Griechische Zwangsarbeiter auf dem Militärflugplatz Hailfingen. In: Heimatkundliche Blätter Zollernalb 65 (2018), S. 2100f. und 2106f.

 

Michael Walther: Schieferölprojekt und Unternehmen "Wüste" - Polykratisches Kompetenzchaos oder flexibles Netzwerk? In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 53/54 (2017/18), S. 295 - 373.

 

Michael Walther, Yvonne Arras: Zwangsarbeiter in Balingen. Die Würde des Menschen war tagtäglich antastbar. In: Zollern-Alb-Kurier, 16.9.2019, URL: <https://www.zak.de/Nachrichten/Zwangsarbeiter-in-Balingen-Die-Wuerde-des-Menschen-war-tagtaeglich-antastbar-137731.html> [letzter Zugriff: 18.10.2019].

 

Andreas Zekorn: Todesfabrik KZ Dautmergen. Ein Konzentrationslager des Unternehmens „Wüste“. Mit einem Epilog zu dem polnischen Schriftsteller und KZ-Häftling Tadeusz Borowski. Stuttgart 2019.