AKTIVITÄTEN & AKTUELLES


 

 

2017

 
   
   

Samstag, 14. Oktober 2017

Beginn: 9.00 Uhr

Tagung der KZ-Gedenkstätten: Umgang mit den früheren KZ-Orten seit 1945 und Entstehung der KZ-Gedenkstätten.

In Kurzbeiträgen werden dabei auch die verschiedenen Gedenkstätten vorgestellt (u.a. Bisingen, Schömberg-Eckerwald und Balingen).

Bürgerhalle Gäufelden-Tailfingen

Hauptstr. 35

71126 Gäufelden-Tailfingen.

 

 

 

Sonntag, 26. November 2017

Beginn 11.00 Uhr

Ausstellungseröffnung "75 Jahre Schlichemtalsperre in Schömberg"

 

Im Dachgeschoss der Schömberger Zehntscheuer (Marktplatz 13, 72355 Schömberg) wird zwischen dem 26. November 2017 und 7. Januar 2018 die Ausstellung "75 Jahre Schlichemtalsperre in Schömberg" gezeigt. Konzipiert wurde die Ausstellung vom Historiker und "Wüste"-Experten Immo Opfermann. Finanzielle Unterstützung kam von der Firma Holcim. 

 

Schon in den 1930er-Jahren gab es erste Überlegungen zum Bau einer Talsperre, mit deren Bau schließlich im Jahr 1940 begonnen wurde. Zweck der Anlage war die Gewinnung von Brauch- und Kühlwasser sowie die Stromerzeugung für das Dotternhausener Portlandzementwerk und die dortige Schieferölproduktion. Weiterführende Planungen sahen vor, mit der Anlage einige der Ölschieferwerke zu versorgen, mit deren Bau in den Jahren 1944/45 im Rahmen des sog. Unternehmen "Wüste" u.a. bei Schörzingen, Schömberg, Dautmergen, Dormettingen und Erzingen begonnen wurde. 

 

Die Talsperre, mit einer Dammhöhe von 21 Metern wurde schließlich im Jahr 1944 fertig gestellt. Für ihre Errichtung wurden u.a. Kriegsgefangene und wahrscheinlich auch zivile Zwangsarbeiter eingesetzt. 

 

Die Ausstellung wird am Sonntag, den 26. November 2017, um 11.00 Uhr im Dachgeschoss der Zehntscheuer feierlich eröffnet. Ein Besuch der Ausstellung ist an Werktagen zwischen 9.00 - 18.00 Uhr möglich. Die Öffnungszeiten an Wochenende und Feiertagen stehen bisher noch nicht fest.

 

 

 

Donnerstag, 30. November 2017

Beginn 18.00 Uhr

Vortrag von Dr. Michael Walther: Unternehmen "Wüste": Das Netzwerk der Täter.

 

Dem Unternehmen "Wüste" wurde bisher ein "NS-typisches Kompetenzchaos" unterstellt, geprägt durch Macht- und Profilierungskämpfe innerhalb einer unübersichtlichen Gemengelage von staatlichen und halbstaatlichen Institutionen sowie privaten Unternehmen. Tatsächlich waren die Akteure Teil eines komplexen aber gut funktionierenden Netzwerks. Und: das Unternehmen "Wüste", das u.a. das Frommerner LIAS-Werk und das Dotternhausener Portlandzementwerk mit einschloss, wurde von nur zwei Institutionen gesteuert - dem Rüstungsministerium Albert Speers und der SS Heinrich Himmlers. Ein weiterer Aspekt, der im Vortrag beleuchtet wird, ist die personelle Verflechtung zentraler Akteure des Unternehmens "Wüste" mit zwei der größten deutschen Rüstungskonzerne, der IG Farben und der Reichswerke AG "Hermann Göring". Der Vortrag beleuchtet die Verflechtungen der handelnden Personen auf der Reichs- aber auch auf der regionalen Ebene und gibt einen ersten Einblick in das Netzwerk der Täter.

 

Der Vortrag findet im Rahmen einer Veranstaltung der Heimatkundlichen Vereinigung Zollernalb e.V. statt, in der der Vorsitzende der Vereinigung einen Ausblick auf das Veranstaltungsprogramm des Jahres 2018 geben wird. Eintritt frei.

Sitzungssaal des Landratsamts Zollernalbkreis

Hirschbergstr. 29

72336 Balingen

 

 

 

2018

 

Sonntag, 4. März 2018

Beginn: 15.30 Uhr

Tag der Archive zum Thema „Demokratie und Bürgerrechte“.

 

Um 15.30 Uhr beginnt die Veranstaltung im Kreisarchiv Zollernalbkreis. Zunächst werden zwei Kurzvorträge gehalten. Der Vortrag von Kreisarchivar Dr. Andreas Zekorn trägt den Titel „Aufstand in der Fastnacht. Tote an der Grenze – Der Kampf um Rechte in der Frühen Neuzeit im Spiegel von Kleindenkmalen“. Der Vortrag greift neben dem Motto des Tags der Archive auch das Schwerpunktthema der Heimatkundlichen Vereinigung 2018 „Kleindenkmale“ auf.

 

Im Anschluss daran hält Dr. Michael Walther einen Vortrag mit dem Titel „Geschichte nicht nur vom Ende her denken.“ Hindenburg, Aussetzung der Bürgerrechte im Nationalsozialismus und die Vertreibung der Balinger Juden.

 

Paul von Hindenburg (1847 – 1934) war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte des 20. Jh. So war der als Weltkriegsgeneral verehrte „Sieger von Tannenberg“, auch am Sturz der Monarchie im November 1918 beteiligt. Seit 1925 Reichspräsident, hatte Hindenburg einen entscheidenden Anteil an der Transformation der demokratisch verfassten Weimarer Republik in die nationalsozialistische Diktatur. Entgegen einer immer noch weit verbreiteten aber veralteten (Lehr-)Meinung,  gab es weder eine sog. „Hindenburg-Kamarilla“ noch war der Reichspräsident „altersschwach“. Hindenburgs „Übertragung“ der Regierungsgewalt an eine Koalition der „nationalen Kräfte“ unter Reichskanzler Adolf Hitler war vielmehr den inhaltlichen Gemeinsamkeiten von Hindenburg und Hitler in zentralen Fragen der deutschen Politik geschuldet. Im April 1933, noch unter der Präsidentschaft Hindenburgs, wurde das erste gegen Juden gerichtete Ausnahmegesetz („Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“) erlassen. Die gesellschaftliche Ausgrenzung und der allmähliche Verlust der Bürgerrechte hat auch Balinger Bürger betroffen, die Familie Schatzki und den Arzt Dr. Alexander Bloch.

 

Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Walther wird eine kleine Ausstellung des Kreisarchivs präsentiert, in der ausgewählte Unterlagen zum Thema „Demokratie und Bürgerrechte“ mit Bezug zum Gebiet des Zollernalbkreises gezeigt und erläutert werden.

 

Balingen, Landratsamt Zollernalbkreis (Sitzungssaal), Hirschbergstr. 29, Eintritt frei.

 

 

 

 
   
   

 

   
   
   

Neueste Veröffentlichungen

Andreas Zekorn: 70 Jahre Frieden. Kriegsende und Nachkriegszeit im Gebiet des heutigen Zollenalbkreises 1945 – 1949. In: Heimatkundliche Blätter Zollernalb 63 (2016), S. 1988 – 1991 und S. 1992 – 1995. 


 

Immo Opfermann: "Jan, der Führer ist tot"? Portraits und

Glückwunschkarten im KZ Erzingen. Bad Schussenried 2016.

 

 

 

 

 

Der Arbeitskreis "Wüste" trauert um Dr. Hans Schimpf-ReinharDt

Dr. Hans Schimpf-Reinhardt, der Mittelpunkt und Motor des "Wüste"-Arbeitskreises ist tot. Diese traurige Nachricht mussten wir Mitglieder erschüttert zur Kenntnis nehmen.

 

Am 16. Februar noch hatten wir uns zusammengefunden, um der Presse mitzuteilen, dass die Internetseite des Arbeitskreises fertig und abrufbar ist. Fotos wurden gemacht.

 

Als Stadtarchivar der Stadt Balingen hatte Dr. Hans Schimpf-Reinhardt den offenen Arbeitskreis im Auftrag der Stadt 2009 ins Leben gerufen. Die ersten Zusammenkünfte fanden an den Orten der Relikte ehemaliger "Wüste"-Werke auf dem Gebiet der heutigen Stadt Balingen in Engstlatt, Erzingen und Frommern, später in städtischen Gebäuden statt.

 

Besonders intensiv war die Beschäftigung mit der Häftlingsfigur, die - so stellte es sich Hans Schimpf-Reinhardt vor - auf einfachste Weise einen Menschen im Konzentrationslager darstellen und neben den Informationstafeln Wind und Wetter standhalten sollte. Deshalb musste die Figur aus Beton sein, die mittels bestimmter Streifen an die Häftlingskleidung erinnern würde. Hans fand eine Firma, die Betonieren und künstlerisch gestalten konnte.

 

Die Häftlingsfigur und die Stelen wurden, von ihm organisiert, am 22. Juni 2014 in Frommern und am 3. Mai 2015 in Erzingen und Engstlatt der Öffentlichkeit übergeben.

 

Im Sommer 2015 kam die Natzweiler-Wanderausstellung "Freiheit - so nah, so fern. Das  doppelte Ende des Konzentrationslagers Natzweiler" auch nach Balingen. Im Arbeitskreis waren wir  uns einig darüber, dass für die letzten Monate des Krieges unbedingt auch das Unternehmen "Wüste" dargestellt werden müsste, dass die Ausstellung einiger Balinger Zusätze bedürfe. Dieser besondere Teil wurde von Hans Schimpf-Reinhardt mit einer Häftlingsfigur auf einem Schieferfeld, Kanistern und anderen Behältern für Öl sinnfällig gemacht. Ein Text an einer Tür kritisierte den Opportunismus ehemaliger Parteimitglieder, weshalb Hans eine des Sütterlins noch mächtige Frau ausfindig machte, die ein Stück Papier aus dem Jahre 1945 beschrieb, das danach mit einer extra eingerosteten Heftzwecke an einer alten Tür befestigt wurde: das verwendete Material sollte die dargestellte Zeit verdeutlichen. Das sind keine Petitessen, sondern dieses Wichtignehmen auch von scheinbaren Geringfügigkeiten diente dem Anspruch Hans Schimpf-Reinhardts als Historiker und übertrug sich auf uns Mitglieder des Arbeitskreises, die von ihm mitgerissen und beflügelt wurden.

 

Der Tod von Hans Schimpf-Reinhardt, unserem Freund und Spiritus rector, ist ein schlimmer Verlust. Ohne ihn, den Mentor, versuchen wir im Arbeitskreis "Wüste" dennoch weiterzuarbeiten.

 

Balingen, am 24. Februar 2017

 

Immo Opfermann