Unternehmen "Wüste" in Balingen


Wilhelm-Murr-Haus Balingen
Das Wilhelm-Murr-Haus: Sitz der NSDAP-Kreisleitung (Foto: Stadtarchiv Balingen)
Einweihung Wilhelm-Murr-Haus
Einweihung des Wilhelm-Murr-Hauses am 11.3.1934 (Foto: Stadtarchiv Balingen)

Auf der Gemarkung der heutigen Stadt Balingen befanden sich zwei der insgesamt sieben KZ-Außenlager des KZ-Stammlagers Natzweiler-Stuthof: in Frommern und in Erzingen. Neben den KZ-Häftlingen mussten auch andere Gruppen von Zwangsarbeitern für die Schieferölgewinnung Sklavenarbeit leisten. So wurde im Erzinger Ortsteil „Hungerberg“ ein Lager für russische Kriegsgefangene errichtet, die in den beiden „Wüste“-Werken auf der Erzinger Gemarkung arbeiten mussten. Ihre Situation, d.h. Unterbringung, Bekleidung und Ernährung, war nach Aussage eines Wehrmachtssoldaten, der als Wachmann für die russischen Kriegsgefangenen eingesetzt wurde, wesentlich schlechter als für die Häftlinge des KZ-Außenlagers Erzingens. Einige dieser Häftlingsbaracken bestehen bis heute.

Drei der insgesamt zehn „Wüste“-Werke sollten in den heutigen Teilorten Balingens gebaut werden. „Wüste“-Werk 2 auf der Engstlatter Gemarkung und die beiden „Wüste“-Werke 4 und 5 auf Erzinger Gemarkung. In den Gemeinden finden sich nur noch vereinzelt Überreste. In Engstlatt befindet sich auf dem ehemaligen Gelände von Werk 2, im Gewann Riedhalde, eine ehemalige Transformatorenstation. In Erzingen finden sich auf dem Geischberg, in einem kleinen Wäldchen versteckt ein Öltank und wiederum ein ehemaliges Generatorenhaus. Und auch der sich ebenfalls auf dem Gelände des ehemaligen „Wüste“-Werk 4 befindliche einzige noch existierende Schiefermeiler ist zunächst nur als kleines Wäldchen erkennbar – so holt sich die Natur zurück, was ihr gehört.

Generatorenhaus auf dem Geischberg (Foto: Stadtarchiv Balingen)
Generatorenhaus auf dem Geischberg (Foto: Stadtarchiv Balingen)
Das Werksgelände des Frommerner LIAS-Werks um 1956. Im Vordergrund die Schwelhalle, hinten links das Kesselhaus (Foto: Stadtarchiv Balingen)
Das Werksgelände des Frommerner LIAS-Werks um 1956. Im Vordergrund die Schwelhalle, hinten links das Kesselhaus (Foto: Stadtarchiv Balingen)

Außerdem befand sich in Frommern die 1942 gegründete LIAS-Ölschieferforschungsgesellschaft, in der das horizontale Schwelverfahren erforscht werden sollte. Hier befinden sich mit der Schwelhalle und dem Kesselhaus bis heute die eindrücklichsten Überreste dieses menschenverachtenden Projekts.